Kanzlei-Patentanwälte und in Unternehmen angestellte Patentanwälte

Patentanwälte arbeiten nicht notwendigerweise in einer Kanzlei, die unterschiedliche Mandanten betreut. Sie können ebenfalls in der Industrie, an Universitäten oder bei allgemeinen Dienstleistern zum Thema “Geistiges Eigentum” angestellt sein. Dies trifft auf immerhin 2.662 Personen oder 25% von den 10.624 Europäischen Patentanwälten zu. Erwartungsgemäß findet sich die Mehrheit aber als Patentanwalt in einer Kanzlei. 7.962 oder 75% arbeiten selbständig oder in Bürogemeinschaften bzw. Sozietäten für ihre Mandanten.

Der europaweite Durchschnitt gilt aber nicht länderübergreifend. Der höchste Anteil an Unternehmensanwälten findet sich in der Schweiz (54%) und in Belgien (53%). Verantwortlich sind hierfür im Falle der Schweiz in erster Linie große Firmen wie Novartis, Nestlé oder Roche, die eine Vielzahl von Patentanwälten benötigen. In Belgien ist die Zahl an angestellten Patentanwälten pro Unternehmen zwar deutlich kleiner, doch befinden sich hier IP-Abteilungen mehrerer internationaler Konzerne wie ExxonMobil, Procter & Gamble oder GlaxoSmithKline.

Für den hohen Prozentsatz an angestellten Patentanwälten in den Niederlanden sind vor allem Philips, Shell und Unilever verantwortlich. In Dänemark dominieren Novo Nordisk und mehrere kleinere Pharmafirmen. In Frankreich sind viele Europäische Patentanwälte bei L’Oreal, Sanofi und Saint-Gobain angestellt.

Die beiden in absoluten Zahlen dominierenden Nationen Deutschland (26%) und Großbritannien (20%) liegen vergleichsweise nah am europaweiten Durchschnitt von 25%. Die Verteilung in Österreich kommt der von Deutschland sehr nahe.

Dass Italien (9%) und Spanien (12%) wenige Unternehmensanwälte zu verzeichnen haben, ist auf die vergleichsweise geringere Zahl an Abteilungen internationaler Konzerne zurückzuführen, was wiederum eine Ursache für die niedrigen relativen Zahlen von Patentanwälten pro Einwohner darstellt.

Polen befindet sich mit 9% auf dem Niveau mit Italien, verzeichnet jedoch im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern hier sogar noch einen hohen Wert. Anstellungsverhältnisse in der Industrie scheinen bei Patentanwälten hier allgemein keine große Tradition zu haben.

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So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den sieben Ländern, in denen alle Anwälte in Kanzleien arbeiten, mit Estland, Slowakei, Kroatien und Serbien gleich vier eher (süd-)osteuropäische Staaten finden. Griechenland, Zypern und Monaco vervollständigen die Liste.

Die weiteren Statistiken der Folgeseiten konzentrieren sich nun in erster Linie auf in Kanzleien beschäftigte Europäische Patentanwälte.

 

Land Patentanwälte Kanzlei-Patentanwälte Unternehmens-Patentanwälte Anzahl an Kanzeleien Anzahl an Unternehmen
Deutschland 3.661 2.722 74% 939 26% 1.148 212
Großbritannien 2.020 1.606 80% 414 20% 396 108
Frankreich 976 634 65% 342 35% 205 99
Schweiz 482 220 46% 262 54% 126 73
Italien 470 429 91% 41 9% 157 29
Niederlande 459 286 62% 173 38% 93 38
Schweden 351 234 67% 117 33% 72 34
Polen 327 296 91% 31 9% 205 28
Dänemark 224 140 63% 84 38% 37 30
Belgien 188 89 47% 99 53% 48 41
Spanien 177 155 88% 22 12% 94 16
Finnland 170 139 82% 31 18% 43 18
Österreich 128 94 73% 34 27% 55 19
Tsch. Republik 99 95 96% 4 4% 65 2
Norwegen 96 83 86% 13 14% 19 10
Türkei 92 85 92% 7 8% 62 5
Ungarn 79 72 91% 7 9% 38 4
Bulgarien 66 63 95% 3 5% 53 3
Irland 61 56 92% 5 8% 20 4
Rumänien 60 56 93% 4 7% 37 4
Serbien 53 53 100% 0% 29
Portugal 40 39 98% 1 3% 19 1
Slowakei 36 36 100% 0% 30
Slowenien 29 24 83% 5 17% 17 2
Mazedonien 28 25 89% 3 11% 21 2
Kroatien 27 27 100% 0% 24
Albanien 26 25 96% 1 4% 18 1
Estland 26 26 100% 0% 17
Litauen 26 23 88% 3 12% 16 2
Griechenland 24 24 100% 0% 19
San Marino 24 20 83% 4 17% 5 1
Island 21 18 86% 3 14% 13 3
Lettland 21 20 95% 1 5% 12 1
Luxemburg 20 18 90% 2 10% 8 2
Liechtenstein 17 12 71% 5 29% 8 1
Zypern 12 12 100% 0% 10
Malta 5 3 60% 2 40% 3 1
Monaco 3 3 100% 0% 3
Gesamt 10.624 7.962 75% 2.662 25% 3.245 794