Weltweite Branchenanalyse zu Patentkanzleien (2016)

Patentanwälte/Patentkanzleien sind Vertreter in Patentangelegenheiten. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Sie führen Patentrecherchen durch, entwerfen Patentanmeldungen, betreuen diese während des Anmeldeprozesses, übernehmen/koordinieren die Internationalisierung der Patentfamilie oder setzen im Nachgang die Rechte zu gewährten Patenten durch.

Da die Vertreter vor den Ämtern benannt werden müssen und diese auf den Anträgen eingetragen werden, ist zu vielen Patentanmeldungen in öffentlichen Daten ersichtlich, wer diese Anmeldung betreut hat. So lässt sich die Betreuung von Patentanmeldungen im Anmeldeprozess vor den Patentämtern detailliert nachvollziehen.

Den umfangreichsten Datensatz zu weltweiter Aktivität von Patentanwälten stellt das WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum) bereit. Hierin sind alle Patentanmeldungen verzeichnet, die als sogenannte PCT-Anmeldung den internationalen Weg zur Patentgewährung genommen haben. Eine PCT-Anmeldung lohnt sich im Regelfall nur, wenn ein umfangreicher Schutz der Erfindung in wichtigen Ländern der Welt angestrebt wird. Insofern enthält der Datensatz alle als wichtig eingeschätzten Erfindungen seit 1978. Diese ergeben in der Summe 2,3 Mio. Patentpublikationen.

Um sicherzugehen, dass nur Patentanwälte/Patentkanzleien analysiert werden, die auch signifikante patentanwaltliche Tätigkeiten im Anmeldeprozess übernommen haben, wurden alle benannten Vertreter außer Acht gelassen, die weniger als 5 PCT-Anmeldungen betreut haben. Dadurch verbleiben 2,05 Mio. Datensätze.

Auf den Dokumenten ist nicht notwendigerweise eine natürliche Person als Vertreter benannt. Es ist möglich, dass direkt eine Kanzlei benannt ist. Dies macht die Analyse sehr komplex, da zunächst alle natürlichen Personen ihrer Patentkanzlei zugeordnet werden müssen. Gleichzeitig ergibt sich eine nicht aufzulösende Fehlerquote, da ein Rückschluss von der Kanzlei auf die eigentlich verantwortliche Person in der Kanzlei vielfach nicht möglich ist.

Über den gesamten Zeitraum von 1978 bis einschließlich 2015 lassen sich 26.815 Patentanwälte und 5.185 Patentanwaltskanzleien identifizieren. Diese verteilen sich auf 82 Länder

Im Jahr 2015 waren hiervon 12.371 Patentanwälte und 3.243 Kanzleien in den 66 Ländern aktiv. Auf diese bezieht sich die folgende Analyse.

 

 

In wenigen patentstarken Ländern wird die Mehrheit an Patenten betreut. Noch führen die USA und Japan. China und Südkorea holen aber schnell auf.

Über den gesamten Zeitraum von 1978 bis einschließlich 2015 wurden 88% aller PCT-Anmeldungen von Anwälten und Kanzleien aus lediglich 10 Ländern betreut. Mit deutlichem Abstand liegen die USA mit 34% an der Spitze. Japanische Anwälte/Kanzleien betreuen 20% aller Anmeldungen. Deutschland liegt mit 9% auf dem dritten Rang, erreicht aber somit bereits keinen zweistelligen Prozentwert mehr. Es folgen nahezu gleichauf mit sehr ähnlichen Prozentsätzen zwischen 4% und 5% Großbritannien, China, Südkorea und Frankreich. Mit Werten um die 2% vervollständigen Italien, Schweden und Kanada die Top 10.

Patente pro Land seit 1978

Patente pro Land 2015

Betrachtet man nur die Zahlen des Jahres 2015, ergibt sich ein leicht anderes Bild. Australien verdrängt Schweden aus den Top 10, alle anderen Nationen bleiben auf den vorderen Plätzen. Die Ränge verändern sich teilweise aber deutlich. Die USA und Japan bleiben mit 28% bzw. 24% zwar an der Spitze, Deutschland (7%) und Großbritannien (4%) werden aber von China (14%) und Südkorea (8%) überholt. Aufstrebende asiatische Länder überholen traditionell IP-starke Nationen. Während Deutschland noch auf einem ähnlichen Niveau wie Südkorea liegt, fällt Großbritannien deutlich ab und muss seinen Vorsprung gegenüber Frankreich verteidigen, das ebenfalls auf 3% kommt. Italien, Kanada und Australien bilden mit 1-2% den Abschluss der explizit in den Top 10 ausgewiesenen Nationen.

In 56 weiteren Nationen sind Anwälte/Kanzleien zu finden, die Patentanmeldungen 2015 betreut haben. In der Summe sind diese für 9% aller Patentpublikationen verantwortlich, jedoch erreicht keine weitere Nation alleinstehend 1%.

Über den gesamten Zeitraum von 1978 bis 2015 macht die Gruppe der übrigen Nationen noch 12% aus. Es kommt also zu einer vermehrten Konzentration in den großen Ländern, was vor allem dem Aufstieg von China und Südkorea zuzuschreiben ist.

Dies zeigt sich auch, wenn man betrachtet, welcher Anteil an der Gesamtheit aller Anmeldungen eines Landes dem Jahr 2015 zuzuordnen ist. Hier sind es vor allem aufstrebende Länder wie China, die Türkei, Malaysia oder Polen, die bezogen auf ihre gesamte Patentierungshistorie überdurchschnittlich viele Patentanmeldungen im vergangenen Jahr betreut haben. Die Industrienationen finden sich erwartungsgemäß zu weiten Teilen unterhalb des Durchschnitts von 7,9%, weil sie bereits seit langer Zeit Patentierungsaktivität zeigen.

Anteil Patente 2015 an Gesamtzahl

Die Liste der größten Länder ist wenig erstaunlich, ebenso deren Ränge. Es sind weltweit die Nationen mit hoher IP-Aktivität. Allen voran natürlich die USA, Japan und Deutschland. Gleichzeitig lässt sich auch der Aufstieg von Südkorea und neuerdings von China hier erwartungsgemäß nachvollziehen. Ranglisten basierend auf absoluten Zahlen geben aber nur einen Teil des Gesamtbildes, weshalb im weiteren Verlauf die betreuten Anmeldungen beispielsweise zur Größe der Bevölkerung oder der Zahl an Patentanwälten bzw. Patentanwaltskanzleien in Verbindung gesetzt werden.

 

Die Zahl an Patentanmeldungen pro Million Einwohner ist zu weiten Teilen ein Spiegelbild ökonomischer Stärke der Länder.

Betrachtet man nicht die absoluten Zahlen zu den PCT-Patentanmeldungen, die von Patentanwälten bzw. Patentanwaltskanzleien eines Landes repräsentiert wurden, sondern setzt sie in Verhältnis zu der jeweiligen Landesgröße, zeigt sich ein anderes Bild. Aus den Top 10 der absoluten Zahlen bleiben lediglich 4 Länder unter den vorderen Plätzen erhalten: Japan, Südkorea, USA und Deutschland. Japan und Südkorea sind mit 276 bzw. 240 Anmeldungen pro Million Einwohner mit weitem Abstand führend. Die USA und Deutschland liegen mit 129 bzw. 123 Anmeldungen im Mittelfeld der Top 10. Dazwischen sind Israel und mit Finnland und Schweden zwei skandinavische Staaten zu finden. Die Top 10 ergänzen die Schweiz (117), Singapur (98) und Dänemark (97). Es wird deutlich: Diese Aufstellung dominieren hochentwickelte asiatische Länder und NATO-Staaten.

Patente pro Mio Einwohner 2015

Der Durchschnitt über alle Länder liegt bei 28 betreuten Anmeldungen pro Million Einwohner. Unter den übrigen Ländern sind alle Nationen zusammengefasst, die nicht mindestens 100 Patentanmeldungen betreut haben, die 2015 veröffentlich wurden. Europäische Nationen sind weitgehend über dem Durchschnitt zu finden. Unter dem Durchschnitt liegen mehrheitlich Schwellen- und Entwicklungsländer.

Insofern ist die Übersicht zu weiten Teilen als Repräsentation ökonomischer bzw. innovativer Stärke zu deuten. Sie ist rangbezogen dem Prokopfeinkommen ähnlich. Warum sind gerade Japan und Südkorea mit so großem Abstand führend? In diesen beiden Ländern finden sich die Firmensitze von bedeutenden Consumer-Elektronik-Konzernen. Patente spielen in diesen Unternehmen eine erhebliche strategische Rolle. Eine starke Patent-Position ermöglicht es, von Wettbewerbern Lizenzgebühren einzufordern. Es ist beispielsweise faktisch unmöglich ein Smart Phone zu verkaufen ohne Patente anderer Marktteilnehmer zu verletzen. Microsoft verdient sogar mehr durch Lizenzeinnahmen beim Verkauf von Android-Smartphones als durch den Verkauf von Windows Phones. Gleichzeitig kann eine starke Patentposition den Anteil an fremden Schutzrechten im eigenen Produkt gering halten, wenn bei Kreuzlizensierungen Patente gezählt werden, um zu errechnen, wer wem zu Lizenzen verpflichtet ist. Patente helfen somit den Gewinn zu maximieren. Es werden sogar ganze Firmen gekauft, um sich in erster Linie die Patente es akquirierten Unternehmens zu sichern.

 

6.815 Patentkanzleien haben 2015 PCT-Patentanmeldungen betreut. 72% davon finden sich in nur 5 Ländern: USA, Japan, Südkorea, Deutschland und China.

Die Darstellung zur Anzahl an Patentanwaltskanzleien in den jeweiligen Ländern ist nicht zu verwechseln mit dem zur Anzahl an betreuten Anmeldungen pro Land. Erwartungsgemäß gibt es aber durchaus eine sehr hohe positive Korrelation der Platzierungen in der Rangliste: In den Ländern, die einen großen Teil der Anmeldungen betreuen, findet sich auch eine große Zahl an Patentkanzleien.

In Summe waren 6.815 Patentkanzleien im Jahr 2015 aktiv. Sie mussten jeweils mindestens 5 PCT-Patentanmeldungen insgesamt (also nicht nur 2015) betreut haben, um in die Statistik aufgenommen zu werden. Die USA (1.976) und Japan (1.190) sind die einzigen beiden Länder mit einer vierstelligen Zahl an Patentkanzleien. Es folgen Südkorea, Deutschland und China 500 bis 600 Kanzleien, die im Jahr 2015 aktiv waren. In der Summe finden sich in diesen 5 Ländern bereits 72% aller Patentanwaltskanzleien weltweit. Die Plätze 6 bis 10 liegen jeweils bei 2% oder 3% aller Patentanwaltskanzleien weltweit. Im Vergleich zur Liste an betreuten Patentanmeldungen schafft es nur die Russische Föderation zusätzlich in die Top 10. Hierfür muss Australien seinen Platz räumen.

Patentkanzleien pro Land 2015

Gezählt wurde in dieser Übersicht zum einen jeder direkte namentliche Eintrag einer Patentkanzlei auf den betreuten Patentdokumenten. Sofern eine Person (und nicht eine Kanzlei) eingetragen wurde, wird diese nur gezählt, wenn gleichzeitig keine Kanzlei in den weiteren Adressdaten identifiziert werden konnte. In diesem Fall geht die Analyse davon aus, dass es sich um eine Ein-Personen-Kanzlei handelt, welche wiederum als Patentkanzlei gezählt wurde.

 

Im weltweiten Durchschnitt finden sich 1,6 Patentanwaltskanzleien pro Million Einwohner.

Die vorangehende Übersicht zur Verteilung der Patentanwaltskanzleien über die Länder zeigt, welche Länder bedeutende und einflussreiche Akteure auf dem Feld des geistigen Eigentums sind. Sie gibt aber wenig Aufschluss darüber, wie viele Patentanwälte in Relation zur Bevölkerung in einem Land tätig sind.

Diese Liste wird von vier Nationen dominiert: Südkorea, Schweiz, Israel und Japan. Sie liegen mit Werten zwischen 11,2 und 9,4 Patentkanzleien pro Mio. Einwohner deutlich vor allen weiteren Nationen. Auf den Plätzen folgt eine Gruppe bestehend aus Deutschland, Singapur und USA mit Werten zwischen 6,8 und 6,2 Patentkanzleien pro Mio. Einwohner. Die Niederlande, Neuseeland, Dänemark, Finnland und Slowenien bilden den Abschluss der hervorstechenden Nationen. Sie weisen jeweils 4,4 Kanzleien pro Mio. Einwohner auf. Auch diese Zahlen sind noch weit überdurchschnittlich. Im Mittelwert finden sich weltweit lediglich 1,6 Patentkanzleien pro Mio. Einwohner. Hier ist aber zu erwähnen, dass dieser Wert stark durch die bevölkerungsreichen Nationen China (0,4) und Indien (0,1) beeinflusst ist, die den Abschluss der Aufstellung bilden.

Patentkanzleien pro Mio Einwohner

Einbezogen wurden alle Nationen, in denen mindestens eine Kanzlei zu finden ist, die zu den Top-1000-Kanzleien der Welt gehört, um zu vermeiden, dass Länder die Zahlen verfälschen, in denen international arbeitende Patentanwälte faktisch bedeutungslos sind.

 

Neben China und Japan liegen hauptsächlich europäische Nationen in der Aufstellung der meisten Patente pro Kanzlei vorne.

Am meisten Patentanmeldungen pro Firma betreuen chinesische Patentkanzleien. Hier sind es im Jahr 2015 39,2 Anmeldungen gewesen. Alle anderen vorderen Plätze werden von Ländern belegt, die eine lange Patentierungstradition haben. Eine hohe Anzahl von Patenten pro Kanzlei spricht für ein hohes Maß an Konzentration in der Branche und eine effiziente Betreuung der Anmeldung. Insofern liegt der Schluss nahe, dass China ein Ausreißer ist, bei dem das Wachstum an Patentanmeldungen noch nicht im Wachstum an Kanzleien reflektiert ist. Abgesehen von China schafft es nur Japan, die Phalanx der europäischen Nationen zu durchbrechen. Frankreich, Schweden und Finnland liegen vor Japan, Belgien, Großbritannien und Dänemark folgen als Nationen, die über dem Durchschnitt von 21,9 PCT-Anmeldungen pro Kanzlei liegen.

Patente pro Kanzlei 2015

Die patentierungsaktiven Staaten Südkorea, USA und Deutschland sind leicht unterdurchschnittlich. Den Abschluss der Rangliste bilden die Russische Föderation, Polen, Mexiko und Brasilien mit weniger als 5 PCT-Anmeldungen pro Kanzlei.

Wichtig ist aber zu erwähnen, dass nur Länder aufgenommen wurden, in denen im vergangenen Jahr mindestens 100 PCT-Anmeldungen betreut wurden. Die übrigen, nicht explizit aufgeführten Länder liegen im Durchschnitt unterhalb aller aufgeführten Länder bei einem Mittelwert von 3,4 PCT-Anmeldungen pro Kanzlei.

Südkorea, die Schweiz und Israel, die die Liste der meisten Kanzleien pro Mio. Einwohner anführen, finden sich jeweils hier eher im (hinteren) Mittelfeld wieder.

 

Patentkanzleien, die zu den Top-1000-Kanzleien der Welt gehören, finden sich hauptsächlich in den USA, Japan, China, Deutschland und Südkorea.

Mit Top-Patentkanzleien sind die Kanzleien gemeint, die am aktivsten Patentanmelder bei der Einreichung von PCT-Anmeldungen unterstützen.

Patentkanzleien, die zu den Top-1000-Kanzleien der Welt gehören, finden sich hauptsächlich in den USA, Japan, China, Deutschland und Südkorea. Die USA führen mit deutlichem Abstand die Rangliste an. 333 Firmen oder 33% aller Top-Kanzleien sind hier zuhause. Die weiteren Länder der Top 5 verzeichnen Anteile zwischen 13% und 7%.Dies sind zusammen genommen bereits 762 der 1.000 Patentkanzleien. In allen anderen Nationen sind maximal 4% der Top-Kanzleien zu finden und in Summe 24% aller Top-Kanzleien. Im Umkehrschluss heißt dies, dass die 5 bedeutendsten Nationen 76% aller Top-Kanzleien auf sich vereinen.

Anteil der Länder an Top Patentkanzleien

Die ersten zehn Plätze werden von 4 europäischen Staaten (Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweiz) und zudem Kanada vervollständigt. Einzeln genommen zeigen sie Anteile zwischen 1% und 4% und in der Summe 12%, was weniger ist als China oder Japan, die auf Platz 2 und 3 liegen und einzeln genommen jeweils 13% auf sich vereinen.

Unter den übrigen Ländern, die 60 Top-Patentkanzleien vereinen, sind 17 Nationen zusammengefasst. Daraus ergibt sich ein Anteil von 6%. In 31 Ländern, deren Anwälte/Kanzleien 2015 PCT-Anmeldungen betreut haben, ist keine Kanzlei der patentaktiven Kanzleien zu finden.

Ein anderes Bild ergibt sich bei Einbezug der Bevölkerungsgröße. Die patentaktiven Länder mit großer Zahl an Einwohnern dominieren dann nicht mehr so deutlich. Von den Ländern mit vielen Top-Kanzleien ist nur China ist überhaupt in den Top 10 vertreten. Es dominieren auf den vorderen Plätzen skandinavische Länder. Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen finden sich auf den Plätzen 2 bis 6. Ganz vorne finden sich allerdings Belgien und Frankreich. In Belgien gehören stolze 36% der Patentkanzleien zu den Top 1000 Kanzleien der Welt! Im Durchschnitt aller Länder sind lediglich 15% Teil Kanzleien unter den Top-Kanzleien.

Anteil an Top Patentkanzleien je Land

Da die Größe anhand der Anzahl an betreuten PCT-Anmeldungen beschreibt, ist dies auch ein Maß für die Konzentration und die Marktstellung der Großkanzleien in einem Land. Oder andersherum: Je geringer der Wert, desto weniger bedeutsam sind Großpatentkanzleien in einem Land.