Die Zahl an Patentanmeldungen pro Million Einwohner ist zu weiten Teilen ein Spiegelbild ökonomischer Stärke der Länder.

Betrachtet man nicht die absoluten Zahlen zu den PCT-Patentanmeldungen, die von Patentanwälten bzw. Patentanwaltskanzleien eines Landes repräsentiert wurden, sondern setzt sie in Verhältnis zu der jeweiligen Landesgröße, zeigt sich ein anderes Bild. Aus den Top 10 der absoluten Zahlen bleiben lediglich 4 Länder unter den vorderen Plätzen erhalten: Japan, Südkorea, USA und Deutschland. Japan und Südkorea sind mit 276 bzw. 240 Anmeldungen pro Million Einwohner mit weitem Abstand führend. Die USA und Deutschland liegen mit 129 bzw. 123 Anmeldungen im Mittelfeld der Top 10. Dazwischen sind Israel und mit Finnland und Schweden zwei skandinavische Staaten zu finden. Die Top 10 ergänzen die Schweiz (117), Singapur (98) und Dänemark (97). Es wird deutlich: Diese Aufstellung dominieren hochentwickelte asiatische Länder und NATO-Staaten.

Patente pro Mio Einwohner 2015

Der Durchschnitt über alle Länder liegt bei 28 betreuten Anmeldungen pro Million Einwohner. Unter den übrigen Ländern sind alle Nationen zusammengefasst, die nicht mindestens 100 Patentanmeldungen betreut haben, die 2015 veröffentlich wurden. Europäische Nationen sind weitgehend über dem Durchschnitt zu finden. Unter dem Durchschnitt liegen mehrheitlich Schwellen- und Entwicklungsländer.

Insofern ist die Übersicht zu weiten Teilen als Repräsentation ökonomischer bzw. innovativer Stärke zu deuten. Sie ist rangbezogen dem Prokopfeinkommen ähnlich. Warum sind gerade Japan und Südkorea mit so großem Abstand führend? In diesen beiden Ländern finden sich die Firmensitze von bedeutenden Consumer-Elektronik-Konzernen. Patente spielen in diesen Unternehmen eine erhebliche strategische Rolle. Eine starke Patent-Position ermöglicht es, von Wettbewerbern Lizenzgebühren einzufordern. Es ist beispielsweise faktisch unmöglich ein Smart Phone zu verkaufen ohne Patente anderer Marktteilnehmer zu verletzen. Microsoft verdient sogar mehr durch Lizenzeinnahmen beim Verkauf von Android-Smartphones als durch den Verkauf von Windows Phones. Gleichzeitig kann eine starke Patentposition den Anteil an fremden Schutzrechten im eigenen Produkt gering halten, wenn bei Kreuzlizensierungen Patente gezählt werden, um zu errechnen, wer wem zu Lizenzen verpflichtet ist. Patente helfen somit den Gewinn zu maximieren. Es werden sogar ganze Firmen gekauft, um sich in erster Linie die Patente es akquirierten Unternehmens zu sichern.